Arpads "Türkische Katzenporträts"

Der Stuttgarter Fotograf Ahmet Arpad porträtierte in seinem letzten Türkei-Urlaub in mühsamer Arbeit die Straßenkatzen

Katzen wird mehr eigener Wille zugeschrieben als uns Menschen. Im alten Ägypten wurde eine Gottheit in Gestalt einer Katze verehrt. Sie wohnten bei den Pharaonen in den Palästen. Heute wohnen sie in Downing Street 10 in London oder im Weißen Haus in Washington. Schätzungen zufolge werden weltweit ca. 200 Millionen Hauskatzen gehalten. Die Zahl der armen, aber eigenwilligen Straßenkatzen ist unbekannt.

Die Samtpfoten sind die wahren Herrscher in meinem Urlaubsort an der türkischen Mittelmeerküste. Sie liegen fast den ganzen Tag träge herum und lassen sich von nichts stören. Es ist ganz schön warm. Unter den schattenspendenden Oleander- und Granatapfelbäumen, unter den tief herunterhängenden Ästen der Aprikosen- und Zitronenbäume ist es angenehm. Sie schauen zwischendurch mit einem Auge, wo was sich bewegt, wo was zum Essen zubereitet wird. Morgens zur Frühstückszeit, abends lange vor dem Abendmahl stehen sie auf die Minute pünktlich an der immer offenen Haustür, alle Blicke in Richtung Küche gerichtet. Kaum einer miaut… Sie wissen, sie bekommen gleich ihre Mahlzeit, jede auf einem anderen Teller. Es wird friedlich nebeneinander gegessen. Werdende Mütter werden in Ruhe gelassen. Mutterkatzen mit Nachwuchs haben Vorrang. Sie werden akzeptiert, auch von den Katern. Nach dem Essen kommt zuerst "Das große Putzen". Die Kleinen spielen frech auf dem Rasen bis sie müde werden. Die Mutter passt auf.

Das ist die beste Zeit, die "Damen und Herren" zu fotografieren. Allerdings ist es eine große Herausforderung, eigenwillige Straßenkatzen aus nächster Distanz vor die Linse zu bekommen. Bekanntlich kann eine verwöhnte Hauskatze ihren Halter nach ihrer Tatze tanzen lassen. Eine freiheitsliebende Straßenkatze aber kann das viel besser. Sie schauen freundlich, stolz, böse, abweisend, fragend, auffordernd, bittend, ängstlich, zufrieden, satt... Drehen den Kopf ständig herum, stehen auf, nach einigen Schritten legen sie sich wieder hin, strecken sich lang, drehen der Kamera den Rücken zu, kommen neugierig näher. Am besten legt man sich als Fotograf auf den Bauch, macht sich lang. Auge auf Auge. Ganz cool bleiben, sehr viel Geduld haben und auf gutes Glück hoffen. Es kann allerdings Tage dauern bis man gute Porträts von Straßenkatzen im Kasten hat! 





















Am 28. November 2015 in der Stuttgarter Zeitung


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